Renditeturbo aus Rheinland- Pfalz ?!?!?!?!

Juli 25, 2007

Mit  großen Interesse verfolge ich die Weininvestmentszene in Deutschland. Dabei bin ich auf den Weinfonds der “wine capital selection GmbH”  gestoßen, der den Anlegern  auf Sicht von 4,5 Jahren eine  Rendite zwischen 50 und 80 Prozent in Aussicht stellt. Um dies zu ereichen, investiert der Fonds dabei einzig und allein in Weine aus dem Anbaugebiet Rheinland- Pfalz.  Da ich mir persönlich solch eine Rendite natürlich ungern entgehen lassen würde, habe ich mir den Fonds anhand der Informationen im Internet (www.winecapital.de)  mal etwas genauer angeschaut.  Einen Prospekt konnte ich mir auf der Homepage nicht runterladen und ich habe auch keine Bestellfunktion gefunden. Bei der Beurteilung habe ich zum einen allgemeine Kriterien für das Weininvestment angelegt und zum anderen überprüft, ob ich mich persönlich an so einem Fonds beteiligen würde.

1) Investmentansatz:  Grundsätzlich eignet sich zum Weininvestment nur ein verschwindend kleiner prozentualer Anteil der weltweiten Weinproduktion. Insbesondere hochwertige Weine aus Bordeaux können dabei auf eine lange und nachweisbare Performance zurückblicken. Zudem gibt es für diese Weine einen funktionierenden Sekundärmarkt, was für die ständige  Wertermittlung und den späteren Verkauf von großer Wichtigkeit ist. Bei dem Fonds der wine capital selection GmbH wird zum größten Teil  “en primeur”  in Weine des Jahrgangs 2005 aus der Region Rheinland-Pfalz investiert. Obwohl dies sicherlich auch in Deutschland ein sehr guter Jahrgang war, gibt es für diese Weine keinen funktionierenden Sekundärmarkt sowie allgemein keine Analysen von historischen Daten, die das Renditepotential deutscher Weine untersuchen oder beweisen . Das Grundprinzip des Weininvestments- begrenztes und stetig abnehmendes  Angebot trifft auf steigende Nachfrage- ist auf deutsche Weine nicht anwendbar. Somit ist dieser Investmentansatz für mich nicht nachvollziehbar.

2) Einkauf/ Verkauf: Ein Pluspunkt des Fonds besteht darin, dass die Weine direkt vom Erzeuger erworben werden und somit die komplette Marge für den Zwischenhandel entfällt. Die Weine werden zuvor von einem fachkundigen Verkoster-Team  anhand bestimmter Kriterien ausgewählt.  Es ist nicht ersichtlich, ob die Winzer den Fonds exklusiv beliefern. Die Weine werden bis zum Ende der Laufzeit bei den Winzern eingelagert und versichert. Dabei stellt sich mir die Frage, ob gleichzeitig auch sichergestellt ist, dass die Weine, im Falle eines Konkurses des Winzers, nicht zum Konkursvermögen gezählt werden.  Zudem ist mir nicht ersichtlich, ob ein unabhängiger Dritter den ordnungsgemäßen Erwerb, die Einlagerung und den Verbleib des Weines über die Laufzeit  überprüft sowie das Fondsmanagement kontrolliert.

Wie der spätere Verkauf erfolgen soll, ist mir schleierhaft. Gibt es bereits Handelspartner, die den Wein zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis abnehmen ? Ein Sekundärmarkt ist für diese Weine nicht vorhanden, somit könnte sich der Verkauf mehr als schwierig und nur mit prozentualen Abschlägen realisieren lassen. Genauere Angaben finden sich zu diesem wichtigen Punkt nicht. Für die (spätere) Bewertung des Fondsvermögens fehlt mir eine Angabe, anhand welcher Kriterien die Marktpreise ermittelt werden ? Was gilt als objektive Referenz und wie kann ich dies als Anleger nachvollziehen ?

3) Gebührenstruktur: Insgesamt peilt der Fonds ein Volumen von 2,5 Mio. Euro an. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 Euro oder ein vielfaches davon. Auf diese Summe wird ein Agio für den Vertrieb in Höhe von 5 Prozent fällig, was zumindest im Rahmen (2,5-5%)des Üblichen liegt. Die Anlagesumme wird aber nicht komplett in Wein investiert, sondern die entsprechenden Gebühren für Lagerung und Versicherung über die Gesamtlaufzeit sowie die Kosten für die Konzeption durch die “wine capital selection GmbH”  vorab abgezogen. Nur auf diesen verbliebenen Betrag berechnet sich dann später auch die Rendite. Immerhin ist dies eine Reduzierung von fast 10 Prozent auf die Anlagesumme + die 5 Prozent Agio. Dies sollte man als Investor im Hinterkopf haben. Zudem fallen bei einem späteren Verkauf über die wine capital selection GmbH ebenfalls Gebühren/ Kosten an, die von der Initiatorin mit mindestens 15 Prozent auf den Netto-Verkaufspreis veranschlagt werden. 

4) Struktur:  Als Anleger tritt man einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts bei. Die Haftung wird dabei mittels Haftungsbeschränkung auf die Einlage jedes einzelnen Gesellschafters  begrenzt, was ein wichtiger Punkt ist, um die private Inanspruchnahme der Anleger auszuschließen. Die steuerlichen Grundlagen für das Konstrukt “Einkaufs-GbR” sind meines Wissens zumindest umstritten. Allerdings kenne ich mich diesbezüglich zu wenig aus, um eine Einschätzung abzugeben. Üblich ist, dass solch ein Fonds ab einem bestimmten- vorher festgelegten Zeitpunkt- geschlossen wird. Einen Hinweis auf solch einen Termin habe ich nirgends gefunden. Letztlich stellt sich der Fonds für mich wie eine Mischung aus offenen und geschlossenen Fonds dar, da die Initiatorin anscheinend selbst noch nicht weiß, worauf es hinausläuft.

5) Renditeaussicht: Das angestrebte Renditeziel zum Laufzeitende am 31.12.2010 wird mit einer Spanne zwischen 50-80 Prozent auf die Nettoinvestition angegeben. Die Frage ist dabei, wie realistisch diese Zielsetzung ist. Es gibt keine Erfahrungsswerte, auf die man hierbei zurückgreifen könnte und der Fonds ist der erste seiner Art.  Zudem fehlt auf den Seiten der “wine capital selection GmbH” jegliches Zahlenmaterial, wie sich vergleichbare Weine in der Vergangenheit entwickelt haben. Deutsche Weine weisen nur ein geringes Renditepotential auf und nur ganz, ganz wenige kommen überhaupt als Investment in Frage. Insofern erscheinen die veranschlagten Renditeziele sehr ambitioniert. Durch den Wegfall des Zwischenhandels ist sicherlich eine gewisse Marge zu erzielen, aber ob diese 50 Prozent oder mehr beträgt, darf und muss ernsthaft bezweifelt werden. Ohne die Qualität des deutschen Weins ansatzweise in Zweifel zu ziehen- zum klassischen Weininvestment eignet er sich nicht. Und noch ein Punkt ist zu berücksichtigen: Die Rendite bezieht sich zum einen auf die Nettoinvestition (s.o.) und wird zum anderen beim Verkauf durch weitere Kosten/ Gebühren geschmälert. Die effektive Nettorendite wird somit beträchtlich niedriger ausfallen, selbst wenn die Zielrendite erreicht wird. Was passiert, wenn letzter Fall nicht eintreten sollte und/oder die steuerlichen Grundlagen vom Gesetzgeber anders eingeschätzt werden, kann sich jeder selbst ausmalen.

6) Fazit: Einen deutschen Weinfonds aufzulegen, der eine Rendite zwischen 50-80 Prozent auf Sicht von 4,5 Jahren verspricht, halte ich persönlich für sehr mutig und gewagt.  Deutscher Wein ist als Investmentobjekt nicht geeignet, genau wie es selbst in Bordeaux sehr viele Weine gibt, die sich einzig und allein zum trinken- aber nicht zum investieren- eignen. Die erworbenen Weine werden sicherlich eine gute Qualität aufweisen, aber sie besitzen kein Merkmal, was sie ansatzweise als Investmentwein auszeichnen würde. 

Neben dem fehlenden Renditepotential sehe ich zudem die Fondsstruktur und den fehlenden Sekundärmarkt als Manko an, wobei sich die Informationen vom Fondsanbieter zu diesen  Punkten sehr in Grenzen halten. Sollte es bereits bestehende Vereinbarungen mit Abnehmern geben, die die angekündigte Rendite realistischer erscheinen lassen, sollte das  erwähnt werden. Wenn solche Vereinbarungen zu diesen Konditionen bestehen, würde aber auch jede Bank diesen Deal anstandslos finanzieren,  die Rendite für die Gesellschaft würde ebenfalls entsprechend ausfallen und der Fonds wäre eigentlich überflüssig.

Ich finde es bedenklich, wenn so ein Fonds in der Berichterstattung der Medien in einem Atemzug mit klassischen Weinfonds erwähnt wird, da man unter dem klassischen Weininvestment etwas anderes versteht.

Letztlich kann sich der Fonds nur für Leute eignen, die gerne Wein aus der Region “Rheinland Pfalz” trinken und aus welchen Gründen auch immer bei ihrem Weinhändler oder im Supermarkt nicht fündig werden. Diese Fondszeichner können sich ihre “Anlage” am Ende effektiv ausliefern lassen. Ernsthafte Investoren laufen Gefahr, am Ende bitter enttäuscht zu werden oder bis an ihr Lebensende edle Tropfen aus Rheinland-Pfalz zu konsumieren.

Wer ernsthaft sein Portfolio diversifizieren möchte oder eine alternative Anlage im Weinbereich sucht, sollte auf andere Weinfonds ausweichen.

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5 Responses to “Renditeturbo aus Rheinland- Pfalz ?!?!?!?!”


  1. Gute Arbeit, gute Analyse. Werde der Sache auch nochmal nachgehen. Laut eigenen Angaben des Geschäftsführers von Winecapital wurden bereits 2,2 Mio. Euro für den Fonds eingesammelt von ca. 70 Investoren. Die Dummen sterben halt nicht aus.

  2. LLC Says:

    Guten Tag Herr Jodaitis,

    erstmal möchte ich Ihnen für diesen interessanten und wertvollen Blog danken. Es ist sehr lobenswert, wie viel Energie Sie in dieses Projekt stecken.
    Wie Sie, bezweifle ich den Erfolg eines solchen Investments in Weine aus RP. Entscheidend dürfte sein, dass es für diese Weine faktisch keinen Sekundärmarkt gibt. Außerdem müßten im Sommer 2006 alle einigermaßen renomierten Winzer mit dem Verkauf ihrer 06er beschäftigt sein. Wer jetzt noch Weine aus 2005 in größeren Mengen im Keller hat, hat seinen Beruf verfehlt. Ich kann mich der Vermutung nicht entziehen, dass hier windige Geschäftemacher das wachsende allgemeine Interesse der breiterer Bevölkerungsschichten zum Thema Wein ausnutzen und sich mit den Projektierungs- und Verwaltungsgebühren eine goldene Nase verdienen will….
    Vergleiche zum Börsenboom der Jahre 2000 / 2001 drängen sich auf. Kurz vor dem Platzen der Blase machte damals die BILD Zeitung auf Seite 1 mit Börsentips auf und Taxifahrer gaben ihren Fahrgästen Börsentips. Kostolany hat dieses Phänomen schon vor Jahrzehnten beschrieben. Frai nach Schiller: “Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen” ….


  3. [...] zu guter Letzt spricht WeInvestment eine deutliche [...]


  4. [...] 9 Tagen begann die Berichterstattung mit dem Beitrag Renditeturbo aus Rheinland-Pfalz?!?!?!?! von Thorsten Jodaitis, seines Zeichens Wertpapierhändler in [...]


  5. [...] der hohe Renditen verspricht und den sich zwei Blogger zur Brust genommen haben: WeInvestment: Renditeturbo aus Rheinland- Pfalz ?!?!?!?! The Drink Tank: Weinfonds (1): Turbo oder lahme [...]

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