Die „neuen“ Weinfonds- Schöne Grüße vom Neuen Markt ?

Juli 19, 2007

Nachdem die internationale Finanzwelt auch die nachweisbaren Vorzüge des Weininvestments kennen- und schätzen gelernt hat, sind in der letzten Zeit Weinfonds mit zum Teil beachtlichen Volumen entstanden. So peilt alleine der Londoner „Fine Wine Fund“ die 100 Millionen Dollar Marke an, wobei die Adressaten  vermögende Privat- und institutionelle Kunden sind. Weitere Fonds sind in Planung bzw. bereits kurz vor der Platzierung. Die Fonds „neuerer Art“ weisen dabei einige Besonderheiten zu den herkömmlichen (älteren) Weinfonds auf. So haben sie keine festgelegte Laufzeit und es ist nicht vorgesehen, die Weine den Anteilseignern effektiv anzudienen bzw. auszuliefern. Vielmehr können die Fondsanteile zu bestimmten jährlichen Stichtagen an den Fondsinitiator verkauft werden.

Die derzeit bestehenden Fonds sind noch nicht sehr lange am Markt, konnten aber durch die Megahausse am Weinmarkt sehr gute  Renditen erzielen. Beim „Fine Wine Fund“ beträgt diese seit Laufbeginn im September 2006 stattliche 40 Prozent. Den Fondsmanagern steht davon eine 15-prozentige Performancefee und eine jährliche zweiprozentige Managementgebühr zu, was nichts Unübliches ist. So weit, so gut. Ein entsprechend großes Fondsvolumen ist auf der einen Seite nötig, um die Kosten für die Lagerung/Versicherung und die Gehälter für die Fondmanager zu erwirtschaften. Auf der anderen Seite muss die große Summe aber auch in entsprechende Weine angelegt werden. Und dies nicht nur von einem Fonds, sondern von mehreren.  Da sich im Markt für hochwertigen Wein mittlerweile viele Parallelen zum Aktienmarkt finden lassen, kann dies meines Erachtens durchaus zu einer Situation führen, wie wir sie damals bei vielen Aktien im „Neuen Markt“ beobachten konnten. Punkt 1):  Ein relativ begrenztes Angebot an hochwertigen Wein und ein angesagter Markt mit entsprechend steigender Nachfrage von Anlegern. Die relative Marktenge des Weinmarktes und die Kundengelder der Fonds führen dazu, dass die Preise- getrieben von der ständig wachsenden Nachfrage- kontinuierlich nach oben gehen. Dabei wird die Nachfrageseite noch gestärkt durch den internationalen Wirtschaftsaufschwung. 2) Ein geändertes Marktumfeld und Gewinnmitnahmen führen zu entsprechenden Mittalabflüssen bei den Weinfonds, die Teile ihrer Bestände verkaufen müssen, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. 3) Der verstärkte Abgabedruck der Fonds trifft auf eine merkliche ausgedünnte Nachfrage, da  für letztere insbesondere die Fonds selbst zuständig waren. 4) In dieser Phase kommen andere Investoren dazu, die ab einem bestimmten Level ihre aufgelaufenen Gewinne sichern -oder die Weine später günstiger zurückkaufen möchten-und ebenfalls verkaufen, was die Abwärtsspirale beschleunigt.

Diese Situation würde sich dem internationalen Weinmarkt in der Form das erste Mal stellen und man kann  gespannt darauf sein, wie die Reaktion ausfallen wird. Solange Fonds mit frischen Geld auf den Markt kommen und damit weiterhin für (entsprechend große) Nachfrage sorgen, kann der Markt diese Situation entschärfen. Sollte diese Quelle aber mal versiegen, wird dies sicherlich schon anders aussehen. Wobei dieses Risiko auch als Chance anzusehen ist, um auf längerfristige Sicht das ein oder andere „Schnäppchen“  zu machen.

Die Zukunft wird zeigen, wie sich der Markt entwickeln wird, wobei es in keiner Weise meine Absicht ist, ein Crashszenario heraufzubeschwören. Aber vielleicht ist es ein Risiko, was man als Anleger bei seinem Weininvestment im Hinterkopf haben sollte. Denn auch der Weinmarkt wird sicherlich nicht nur die Richtung nach oben kennen…….

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