Rendite des Weininvestments

Juli 29, 2007

 Zu dem Thema „Rendite des Weininvestments“ findet man immer wieder widersprüchliche Meinungen. Die einen verweisen auf die enormen Steigerungen von einzelnen Weinen, die anderen führen Renditen an, die selbst in Niedrigzinsphasen von jedem Geldmarktfonds geschlagen werden. Da die Rendite des Weininvestments von mehreren unterschiedlichen Einflussfaktoren abhängig ist, kann die Frage- meiner Meinung nach- nicht pauschal beantwortet werden. Vielmehr ist es ein sehr komplexes Thema, was an dieser Stelle  kurz skizziert werden soll.

Zunächst einmal sollte man sich als Anleger nicht von einzelnen Highflyern mit astronomischen Wertentwicklungen blenden lassen. Diese bilden die Ausnahme, werden aber natürlich gerne als Aushängeschilder benutzt. Es gibt mehrere umfassende Studien (z.B. Krasker 1979, Weil 1993,  Burton und Jacobsen 2001) , die die Renditeentwicklung von hochwertigen Weinen (und nur um diese geht es hier) untersuchen und ins Verhältnis zu den Renditen setzen, die man im selben Zeitraum mit einer Anlage im Aktien- und/oder Anleihenbereich hätte erzielen können. Die Autoren kommen dabei auf unterschiedliche Ergebnisse. Krasker sieht das Weininvestment nach Abzug aller Kosten sogar als unrentabel an, Weil sowie Burton und Jacobsen errechnen  eine jährliche Rendite von ca. 8 Prozent, was jedoch im  betrachteten Zeitraum unter der Rendite von den amerikanischen Aktienindizes lag. Es gibt aber auch andere Studien, die im jeweils gewählten Zeitraum  zu einer Outperformance des Weininvestments gegenüber den Vergleichsmärkten gelangen.  Die unterschiedlichen Ergebnisse von den Studien  in der Vergangenheit  beruhen auf diversen Einflussfaktoren. Im Einzelnen sind dies:

– Betrachtungszeitraum und dessen Länge

– Anzahl und Qualität der Weine sowie die Kriterien, nach denen diese ausgewählt wurden (kein einheitlicher „Weinbasket“)

– die kalkulierten Lager- und Versicherungskosten

– die kalkulierten An- und Verkaufskosten

Diese einzelnen Punkte verdeutlichen, wie schwierig es in der Vergangenheit war, die Renditen des Weininvestments zu ermitteln bzw. die Studien miteinander zu vergleichen.  Eine der neuesten und umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema stellt der Autor Mahesh Kumar in seinem sehr empfehlenswerten Buch“Wine Investment for Portfolio Diversification“ vor. Er bildete für den Zeitraum von 1983 -2003 einen „Fine Wine Index“ und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Index eine bessere Rendite (12,3% pro Jahr) als der Dow Jones und der Rentenmarkt erzielte. Gleichzeitig hebt er hervor, dass die höhere Rendite nicht gleichzeitig ein höheres Risiko bedeutet, was für das ausgesprochen gute Chance/ Risiko Verhältnis des Weininvestments spricht. Zudem weist der Markt für hochwertigen Wein eine geringe Korrelation zu den anderen Märkten auf.  

Durch die zunehmende Strukturierung und Professionalisierung (insbesondere ist hier die Weinbörse www.liv-ex.com mit den entsprechenden Indizes anzuführen) des Marktes für das Weininvestment, ist es meiner Meinung nach nun bedeutend besser möglich, entsprechende Studien auf soliden Daten aufzubauen, auch wenn es z.B. bei den Ein- und Verkaufskosten immer noch zu unterschiedlichen Ansätzen kommen kann. Zudem hängt das Renditepotential erheblich von den ausgewählten Weinen und den entsprechenden Auswahlkriterien ab.

All diese Ausführungen zeigen jedoch, dass man eigentlich nur einen groben Renditekorridor (denkbar 7,5- 12 Prozent pro Jahr)  für das Weininvestment ansetzen sollte. Gleichzeitig sollte die absolute Rendite aber auch nicht das einzige Beurteilungskriterium sein, sondern das Augenmerk zusätzlich auf das positive Chance/ Risiko- Verhältnis und die geringe Korrelation zu anderen Märkten gerichtet werden. Dies ermöglicht es letztendlich, das professionelle Weininvestment sinnvoll in das eigene Portfolio einzubauen. 

Persönlicher Nachsatz: Sollte jemand ernsthaftes Interesse daran haben, eine Studie zu diesem Thema zu erstellen, würde ich jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Dabei sind sicherlich verschiedene thematische Ansätze denkbar.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s