Während international neue Weinfonds aufgelegt werden, gibt es in Deutschland bald keinen erstzunehmenden Fondsanbieter in diesem Segment mehr. Sowohl die Blue Capital GmbH als auch ein in diesem Bereich tätiger Weinhändler legen keine neuen Fonds mehr auf. Über die Gründe kann gemutmaßt werden, jedoch würde das Angebot sicherlich weitergeführt, wenn eine entsprechend große Nachfrage vorhanden wäre.  Ohne in diesem Kontext auf die Konzeption der bislang in Deutschland aufgelegten Fonds einzugehen, stellt sich die Frage, warum einzelne Weinfonds im Ausland zum Teil ein Volumen von mehr als 50 Mio. Dollar verwalten und das Angebot ständig erweitert wird, während in Deutschland die Entwicklung in diesem Bereich  rückläufig ist.

Persönlich habe ich den Eindruck, dass das Weininvestment in Deutschland zwischen zwei Stühlen sitzt. Auf der einen Seite die Finanzszene, die eigentlich vor den nachweisbaren Vorzügen der Anlageklasse Wein  die Augen verschließt. Auf der anderen Seite die Weinszene, in der das Weininvestment nicht gerne thematisiert und oftmals am liebsten der Mantel des Schweigens gelegt wird.  Die Berichterstattung in den Medien ist rudimentär und der Inhalt eigentlich immer gleich. Je nach redaktioneller Ausrichtung  entweder sensationelle Wertsteigerungen oder böse Spekulanten, die die Weinpreise in unerschwingliche Höhen treiben. Beide „Thesen“ werden dem Thema in keiner Weise gerecht, da das Weininvestment in dieser Form nicht pauschalisiert werden sollte. International wird hochwertiger Wein längst als eigenständige Anlageklasse angesehen, nur im deutschsprachigen Raum ignoriert man diese Entwicklung hartnäckig.

Für Banken sind Weinfonds derzeit kein großes Thema, da das Volumen in Deutschland  zu gering ist und damit der Kosten- Nutzen Aufwand für die Institute in keinem Verhältnis steht. Zudem ist solch ein Angebot- trotz der bislang aufgelegten Angebote- immer noch Neuland, wo zunächst Berührungsängste bestehen, zumal Weinfonds mit einigem Aufwand (Beratung, Einkauf, Lagerung, Versicherung, Verkauf)  verbunden sind. Aber gerade die Banken könnten mit einem entsprechenden Produkt dafür sorgen, dass das Weininvestment stärker in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Die Entwicklung im internationalen Weinmarkt hat Möglichkeiten geschaffen, die in keiner Weise mit denen vor einigen Jahren zu vergleichen sind- auch in Kostenhinsicht.

Um den Markt für mehr Anleger zu öffnen, sind innovative Lösungen gefragt. Absolute Priorität müssen dabei der Seriosität, Sicherheit, Handelbarkeit und Transparenz eingeräumt werden. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen. Daneben muss natürlich auch die Anlageklasse Wein ihre Vorzüge unter Beweis stellen.

Dabei muss es sich meiner Meinung nach auch nicht immer um einen reinen Weinfonds handeln. Auch andere Konstrukte wie Zertifikate sind durchaus denkbar und für Privatanleger vielleicht sogar besser geeignet.

Im Januar konnte der Liv- Ex 1oo ein kleines Plus von 0.4 Prozent verzeichnen. Das größte Volumen konnte dabei in den jungen Bordeaux-Jahrgängen (2006,2005,2004)verzeichnet werden und hier speziell bei „relativ günstigen“ Weinen von namhaften bzw. derzeit angesagten Chateaux (u.a. Pichon Lalande, Ducru Beaucaillou, Pontet Canet). Hier setzt sich ein Trend aus dem vergangenen Jahr fort: Zunehmende Focussierung auf den „Brandname“, während Kritikerbewertungen weniger Beachtung geschenkt wird. Wenn Weine einen „Namen“ haben werden sie gekauft, auch wenn einzelne Jahrgänge dabei schwächer ausfallen. Entscheidend für die neuen Käufer ist das was auf der Flasche steht und nicht, was sich darin befindet. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits im letzten Jahr ab und scheint sich dieses Jahr fortzusetzen- sicherlich in diversen Hinsichten nicht ganz unbedenklich.

Bei den ersten Gewächsen spielte sich das meiste Geschehen beim 2005´er Jahrgang ab, da hierzu in Kürze neue Bewertungen vom Wine Spectator und Robert Parker erwartet werden.

Carruades de Lafite ist mit einem Plus von 27.9 Prozent einmal mehr unter den Topperformern des Monats zu finden. Die Nachfrage aus China scheint kein Ende zu finden……..  In der Gewinnerliste sind mit dem Krug 1985 (+ 20.6 Prozent) und dem Dom Perignon 1990 (+9.1 Prozent) auch zwei Champagner zu finden. Letzterer scheint zunehmend auch von Investoren entdeckt zu werden und konnte im abgelaufenen Monat immerhin einen Anteil von 0.9 Prozent am Gesamtvolumen verzeichnen, was für einen Januar – nach dem traditionell sehr starken Weihnachtsgeschäft- nicht schlecht ist.

Im Januar erfolgte eine Anpassung des Liv- Ex 100. In erster Linie betraf dies die Weine des Jahrganges 1982, die ihrem Alter Tribut zollen mußten und aus dem Index genommen wurden. Die Kriterien der Liv- Ex besagen, dass im Index kein Wein enthalten sein darf, der älter als 25 Jahre ist. 

 Heftige Kritik am „en primeur“ System kommt von Seiten des in den Ruhestand getretenen Jean-Claude Berrouet, seines Zeichen langjähriger Chief-Winemaker des Château Pétrus. Wein sollte seiner Meinung nach über einen gewissen Zeitraum/ bestimmte Zeitspanne probiert und getestet werden und nicht in „a moment of madness“.  Das bestehende System würde zudem insbesondere von den Medien gepusht. Seine Kritik erfaßt dabei auch das Weininvestment, das er als „disaster for wine“ bezeichnet. Er sieht Wein als Geisel von Spekulanten und Investoren, die man befreien müßte. Eine Zusammenfassung des Artikels kann man in der Online-Ausgabe des Decanter hier nachlesen. Und der Planet Bordeaux hat das Thema auch schon aufgegriffen und kommentiert.

Berichterstattung Bordeaux

Februar 5, 2008

Einen interessanten Bericht über das Bordeaux-Gebiet findet man derzeit im Planet Bordeaux. Grundlage ist dabei ein Artikel aus der Welt-Online, der von Mario Scheuermann kritisch hinterfragt und mit Fakten belegt wird. Auch wenn das Thema „Weininvestment“ dabei nicht behandelt wird- ein lesenswerter Artikel.

Weininvestment im Focus

Februar 1, 2008

In der Freitagsbeilage „Weekend“ des Handelsblatt ist heute ein  Bericht über das Weininvestment zu finden. Die Überschrift „Trinken, nicht sammeln“ sowie der darauf folgende Satz „Wer Wein als Anlage begreift, hat nichts begriffen“ bringt den Tenor des Artikels (leider) auf den Punkt. Wie so oft in Deutschland wird das Weininvestment mal wieder negativ dargestellt. Die Argumentation dabei ist äußerst oberflächig, subjektiv und einseitig. Zumindest sollte man- um als Autor einen Touch von Objektivität zu wahren- aufzeigen, dass es durchaus möglich ist, die Punkte „Genuss“ und „Rendite“ miteinander zu verknüpfen. Auch wenn es in Deutschland nicht gerne gesehen/ gelesen wird.