Weinfondsszene in Deutschland

Februar 26, 2008

Während international neue Weinfonds aufgelegt werden, gibt es in Deutschland bald keinen erstzunehmenden Fondsanbieter in diesem Segment mehr. Sowohl die Blue Capital GmbH als auch ein in diesem Bereich tätiger Weinhändler legen keine neuen Fonds mehr auf. Über die Gründe kann gemutmaßt werden, jedoch würde das Angebot sicherlich weitergeführt, wenn eine entsprechend große Nachfrage vorhanden wäre.  Ohne in diesem Kontext auf die Konzeption der bislang in Deutschland aufgelegten Fonds einzugehen, stellt sich die Frage, warum einzelne Weinfonds im Ausland zum Teil ein Volumen von mehr als 50 Mio. Dollar verwalten und das Angebot ständig erweitert wird, während in Deutschland die Entwicklung in diesem Bereich  rückläufig ist.

Persönlich habe ich den Eindruck, dass das Weininvestment in Deutschland zwischen zwei Stühlen sitzt. Auf der einen Seite die Finanzszene, die eigentlich vor den nachweisbaren Vorzügen der Anlageklasse Wein  die Augen verschließt. Auf der anderen Seite die Weinszene, in der das Weininvestment nicht gerne thematisiert und oftmals am liebsten der Mantel des Schweigens gelegt wird.  Die Berichterstattung in den Medien ist rudimentär und der Inhalt eigentlich immer gleich. Je nach redaktioneller Ausrichtung  entweder sensationelle Wertsteigerungen oder böse Spekulanten, die die Weinpreise in unerschwingliche Höhen treiben. Beide „Thesen“ werden dem Thema in keiner Weise gerecht, da das Weininvestment in dieser Form nicht pauschalisiert werden sollte. International wird hochwertiger Wein längst als eigenständige Anlageklasse angesehen, nur im deutschsprachigen Raum ignoriert man diese Entwicklung hartnäckig.

Für Banken sind Weinfonds derzeit kein großes Thema, da das Volumen in Deutschland  zu gering ist und damit der Kosten- Nutzen Aufwand für die Institute in keinem Verhältnis steht. Zudem ist solch ein Angebot- trotz der bislang aufgelegten Angebote- immer noch Neuland, wo zunächst Berührungsängste bestehen, zumal Weinfonds mit einigem Aufwand (Beratung, Einkauf, Lagerung, Versicherung, Verkauf)  verbunden sind. Aber gerade die Banken könnten mit einem entsprechenden Produkt dafür sorgen, dass das Weininvestment stärker in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Die Entwicklung im internationalen Weinmarkt hat Möglichkeiten geschaffen, die in keiner Weise mit denen vor einigen Jahren zu vergleichen sind- auch in Kostenhinsicht.

Um den Markt für mehr Anleger zu öffnen, sind innovative Lösungen gefragt. Absolute Priorität müssen dabei der Seriosität, Sicherheit, Handelbarkeit und Transparenz eingeräumt werden. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen. Daneben muss natürlich auch die Anlageklasse Wein ihre Vorzüge unter Beweis stellen.

Dabei muss es sich meiner Meinung nach auch nicht immer um einen reinen Weinfonds handeln. Auch andere Konstrukte wie Zertifikate sind durchaus denkbar und für Privatanleger vielleicht sogar besser geeignet.

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