Auf www.decanter.com kann man derzeit eine interessante Meldung bezüglich der Einschätzung des 2006er Bordeaux- Jahrgangs lesen. So empfiehlt die französische Zeitung „Le Figaro“ ihren Lesern, den Bordeaux 2006 – auch unter Investmentaspekten-  zum Kauf. Verglichen wird der aktuelle Jahrgang mit dem aus dem Jahre 1982. Allerdings wird dem 2006er Jahrgang aufgrund von besser entwickelten Produktionsbedingungen eine noch bessere Qualität zugesprochen. Für viele Weinkritiker kommt diese Sichtweise sicherlich etwas überraschend. Gleichzeitig wird in dem Artikel aber auch angemerkt, dass „Le Figaro“ vor einem Monat eine Kooperation mit dem Weinhändler 1855.com eingegangen ist……… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt !Den kompletten Artikel kann man auf www.decanter.com nachlesen.

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Nachdem nun fast alle Preise für den 2006er Bordeaux- Jahrgang veröffentlicht sind, möchte ich mich an dieser Stelle mit der Frage beschäftigen, wie sich der Jahrgang aus Investitionssicht darstellt. Aufgrund von diversen Faktoren sicherlich keine einfache Frage. Daher möchte ich versuchen, die Frage so systematisch wie möglich anzugehen.

1) Ausgangssituation: Fakt ist zunächst, dass die klimatischen Bedingungen im Jahr 2006 nicht ideal waren, was zur Folge hat, dass nur finanzkräftige Châteaux, die mit entsprechenden Produktionsmitteln ausgestattet sind, die Möglichkeit hatten, ein hohes Qualitätsniveau zu erzielen. Dies führt im Bordeaux zu relativ großen Qualitätsunterschieden innerhalb des Jahrgangs.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Jahrgang 2005 extrem gut war und den Châteaux in Bordeaux ein sehr hohes Preisniveau ermöglichte, von denen sie sich nun ungern verabschieden wollten. Zudem besteht von Kunden aus Fernost und Russland durchaus auch zu „überhöhten Preisen“ Nachfrage, da diese hoffen, dadurch ihre Zuteilungsrate in zukünftigen Spitzenjahrgängen zu erhöhen.  Einige Châteaux sind dieser kurzfristigen Sichtweise leider erlegen, was verständlicherweise zu Unmut bei der (insbesondere) englischen Stammkundschaft geführt hat.

2) Die Kritiker: Auch die Kritiker waren sich bei der Beurteilung des Jahrgangs nicht einig. Für viele überraschend kam die Einschätzung des „Weinkritikerpapstes“ Robert Parker, dass der 2006er Jahrgang seiner Meinung nach besser als erwartet ausgefallen sei. Viele Händler, Jounalisten und Weinkritiker teilen diese Sichtweise in der Breite nicht. Konsens in der Beurteilung der einzelnen Anbauregionen besteht bei fast allen Kritikern darin, dass die Weine des Jahrgangs 2006 aus St. Emilion als eher enttäuschend anzusehen sind, während Pomerol erstklassige Weine hervorgebracht hat.

3) Aktuelle Situation: Viele Weine, die sich in der Vergangenheit als Investitionsobjekte geeignet haben, sind bei ihrer Preisgestaltung ex Château nicht zimperlich gewesen und haben oftmals ihren Preisspielraum (mit der Messlatte des Jahrgangs 2005) ausgereizt. Einen guten Überblick zu den aktuellen Preisen ex Château sowie deren Verhältnis zu zurückliegenden Jahrgängen findet man unter http://bordeaux.blogg.de . Vermeintliche Schnäppchen in der ersten Reihe sind kaum vorhanden, die Weine finden aber trotzdem ihre Abnehmer. Mouton- Rothschild konnte nach mehreren enttäuschenden Jahren mal wieder positiv überraschen und hat als einziger der Prèmiers Crus von Robert Parker die potentielle 100 Punkte (96-100) Marke erreicht. Dies führte im Markt auch zu steigenden Mouton- Preisen in zurückliegenden Spitzenjahrgängen (insbesondere 1982), da hier zu vergleichbaren Referenzweinen noch Aufholpotential bestand.

 Eine positive Überraschung stellte der von vielen Kritikern sehr hoch gelobte Léoville Las Cases dar, der völlig gegen den Trend mit einem Abschlag von 30 Prozent auf den 2005er Jahrgang herauskam. Als sogenannter Super Second auf jeden Fall ein Wein, den man auf seine persönliche Watchliste setzen und die Preisentwicklung sehr genau beobachten sollte.

Fazit: Der 2006er Jahrgang ist definitiv kein Jahrgang, der sich problemlos zum Investieren eignet. Die Preisspanne bei den Top- Weinen ist bei den meisten bereits bei der en primeur Kampagne ausgereizt, so dass keine großen Bewegungen nach oben zu befürchten sind. Wenn man mit dem Gedanken spielt, ein Teil seines (Spiel-) Geldes in den Jahrgang zu investieren, sollte man wahrscheinlich bis zur Flaschenabfüllung und damit einhergehenden Neubewertungen von Kritikern abwarten. 

In der zweiten und dritten Reihe ist zudem äußerst selektives Stockpicking angesagt, um einen Wein mit einem ansprechenden Chance/ Risiko- Verhältnis zu finden.