Renditeturbo Wein

Januar 9, 2008

Herr Scheuermann hat mich auf einen sehr interessanten Artikel in der Washington Post aufmerksam gemacht. Hier kann man einmal mehr lesen, wie rentabel sich die „Anlageklasse Wein“ entwickeln kann  und wie sich der Markt durch das Internet zunehmend internationalisiert und organisiert. Wobei das Beispiel eines Anwalts aus Kalifornien, der im November 10 Flaschen eines seltenen Burgunder für knapp über 3500$ gekauft und zwei Wochen später für 10000$ verkauft hat, schon Assoziationen zur New-Economy Blase hervorrufen können und daher im Bericht auch auf die Risiken des Weininvestments hingewiesen wird.

Advertisements

Eines garantiert der Weinmarkt auf jeden Fall: keine Langeweile !

Derzeit verschnauft der Markt auf hohem Niveau, was sicherlich  mehr als überfällig war. Dabei hält sich die Korrektur des Liv- Ex 100 durchaus in Grenzen. Das Handelsvolumen an der Weinbörse war in den letzten Monaten hoch, was als positives Signal für eine Stabilisierung anzusehen ist. Denn das Angebot an Weinen traf auf etwas niedrigeren Niveau auf entsprechende Nachfrage. Kenner der Szene beobachteten dabei, dass diese Nachfrage nicht in erster Linie von neuen Investoren, sondern von „trinkwilligen“ Konsumenten geprägt war. Dies kann als gutes Zeichen bewertet werden, da diese Weine in absehbarer Zeit effektiv getrunken werden und das Angebot somit weiter verknappt wird.  Schaut man sich die zunehmende Zahl an kaufkräftigen Kunden und deren Vorlieben an (interessant hierzu „World Wealth Report“ von Merrill Lynch), ist ein Sell-Off am Weinmarkt grundsätzlich nicht zu erwarten. Aus informierten Kreisen ist zudem zu hören, dass weitere Weinfonds in Planung sind, da sich zunehmend auch institutionelle Kunden für das Weininvestment im Rahmen der Asset Allocation interessieren. Dieses Volumen wird  nicht unerheblich sein und eine Schwäche des Marktes vermutlich als Einstiegsgelegenheit angesehen.

Das kommende Jahr wird sicherlich spannend. Zum einen die  schwierige en primeur Kampagne für den 2007´er Bordeaux- Jahrgang, zum anderen das Re-Rating und die effektive Auslieferung des sensationellen 2005´er Jahrganges.

Im Rahmen der Roadshow der „Union des Grandes Crus 2005“ zeichnet sich ab, dass man sich einige Weine  (abgesehen der Premier Crus, die an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen und sowieso unerschwinglich sind)  bereits vormerken sollte: Leoville Poyferré, Leoville Barton und Pichon Baron. Beychevelle und Duhart Milon erfreuen sich zunehmend der Nachfrage aus China. Im Vorfeld der Neuverkostung durch Parker im 1. Quartal 2008 gibt es bei diesen Weinen sicherlich einiges an Spekulationspotential !

Bei der Person von Robert Parker gehen die Meinungen in der Weinwelt weit auseinander.  Brisanz erhält die Diskussion nun durch ein in Frankreich neu veröffentlichtes Buch, was eine ehemalige Mitarbeiterin von Parker geschrieben hat. Eine sehr gute Zusammenfassung der Vorwürfe sowie deren realistische Einschätzung findet man auf den Seiten des Drink Tank. Absolut lesenswerte Artikel ! 

Tücken des Weininvestments

Oktober 18, 2007

In der internationalen Berichterstattung über das Weininvestment muss man leider immer wieder lesen, wie Anleger um ihr Geld geprellt werden. So ist es leider kein Einzelfall, dass Weinhandelshäuser (insbesondere in Großbritannien) Konkurs anmelden mußten und damit oftmals auch Kunden ihre georderten und bereits bezahlten en primeur Weine nicht erhalten haben. Ärger ist in solchen Fällen auf jeden Fall vorprogrammiert, da es immer auf den Einzelfall ankommt, ob ein Anleger sein Geld (oder einen Teil davon) zurückerhält oder nicht.

Einen anderen dreisten Fall kann man heute im Decanter nachlesen. Hier wurden Anleger übel reingelegt, indem ihnen von der Firma „Bordeaux Advisory“ minderwertiger Wein als Investmentwein verkauft wurde.

Diese Fälle zeigen auf jeden Fall wie wichtig es ist, sich als Anleger im Vorfeld des Weininvestments sorfältigst zu informieren und sich Händler auszusuchen, die en primeur Käufe entsprechend absichern und Erfahrung im Bereich des Weininvestments aufweisen können.

 Ich habe mit dem bekannten Weinjournalisten Mario Scheuermann ein Interview zum Thema „Weininvestment“ geführt. Dabei ging es um das Thema allgemein sowie die spezielle Situation in Deutschland. Mario Scheuermann gilt als absoluter Weinexerte und betreibt u.a. die immer wieder lesenswerten weblogs http://bordeaux.blogg.de und http://drinktank.blogg.de .  Dabei denkt er auch immer über den Teller-/Weinglasrand hinaus, wie im Folgenen zu lesen ist:

Wie würden Sie persönlich den Begriff des Weininvestments definieren?

Dafür gibt es keine einheitliche Definition, denn die Möglichkeiten in Wein zu investieren sind vielfältig. Ich kann z.B. ganz einfach Weine kaufen, von denen ich überzeugt bin, dass sie an Wert gewinnen. Dann gibt es verschiedene Fonds-Modelle. Natürlich könnte man auch direkt in ein spezielles Weingut investieren. Und dann gibt es noch die Möglichkeit in grosse Weinunternehmen wie Hawesko oder Pernod-Ricard über die Börse zu investieren. Davon halte ich persönlich am meisten; denn diese Form des Investments ist für den normalen Anleger am leichtesten zu überschauen. Eine österreichische Bank hat dafür eigens ein Zertifikat aufgelegt, dessen Performance recht ordentlich aussieht.

 Was sind die charakteristischen Merkmale des Marktes für hochwertigen Wein?

Geringe verfügbare Menge, limitierte Produktion einerseits und wachsende weltweite Nachfrage andererseits.

 Würden Sie hochwertigen Wein als eigene Anlageklasse ansehen?  

Grundsätzlich: Ja.

Wie schätzen Sie den Markt für das Weininvestment in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum aktuell ein?

Skeptisch bzw. eher schlecht. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung hierzulande so weiter geht wie im Augenblick, werden die meisten Konsumenten keine guten Aussichten haben, sich künftig jemals einen richtig grossen Wein leisten zu können.

Was sehen Sie als grundlegende Voraussetzung für eine Verbreiterung der Basis in Deutschland an?

Höhere verfügbare Einkommen der normalen Bürger und deutlich niedrigere Steuern. Weniger staatliches Raubrittertum und mehr Freiheit für den Konsum der Bürger. 

Warum hat das klassische Weininvestment ihrer Meinung nach z.B. in England einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland? 

Weil es dort eine längere Tradition dafür gibt. Weil es dort wirklich funktionierende Fonds gibt. Weil dort nach wie vor die wichtigsten Händler und Auktionshäuser sitzen. Letztendlich werden in England die Preise gemacht.     

Wie ist Ihre Meinung zu dem Vorwurf, dass Spekulanten und Investoren die Preise für hochwertigen Wein so in die Höhe treiben, dass er für den „normalen“ Weinfreund nicht mehr zu bezahlen ist?
 
Was heißt da Spekulanten? Das ist eine ganze normale marktwirtschaftliche Entwicklung. In vielen Ländern wächst der Mittelstand, während er bei uns schrumpft. Die anderen werden nicht nur reicher, wir werden auch ärmer. „Geiz ist geil“ konnte doch nur entstehen, weil die Menschen weniger verfügbares Netto-Einkommen haben. Den Menschen blieb doch gar nichts anderes übrig. Die Zeit zwischen den 1970er und 1990er Jahren war deshalb hedonistisch, weil  sich viele Menschen diesen Lebensstil leisten konnten. Heute können dies deutlich weniger  Menschen.  

Nachdem der Weinmarkt insbesondere im letzten Jahr auf eine beeindruckende Performance verweisen kann- wie hoch schätzen sie die Gefahr von rückläufigen Preisen ein?

Ich sehe diese Gefahr im Augenblick noch nicht. Nach wie vor gilt: immer mehr Konsumenten wollen und können Topweine kaufen und die Menge dieser Weine wächst nicht annähernd so schnell wie
die Zahl potenzieller neuer Konsumenten und damit die Nachfrage. 

Welchen Rat würden Sie jemanden geben, der sich intensiver mit dem Thema „Weininvestment“ beschäftigen möchte? 

Trinken, Trinken, Trinken

Und darüber hinaus ? 

Lesen! Z.B. Weblogs wie WeInvestment oder meinen Planet Bordeaux. Und natürlich aufmerksam die Auktionsergebnisse studieren. Und auf gar keinen Fall blind das glauben, was in Tageszeitungen, Magazinen und Börsendiensten steht. Die meisten dieser so genannten Empfehlungen beruhen nach meiner Erfahrung auf vollkommener Markt-unkenntnis oder noch schlimmer: sie werden von „Lobbyisten“ geschrieben, weil die Redaktion dann auch noch am Honorar sparen kann. Leider gibt es im deutschsprachigen Raum kaum Analysten für den Weinmarkt wie z.B. einen Arend Heijbroek von der Rabobank in Utrecht. Eine ganz grosse Ausnahme macht da die Neue Zürcher Zeitung. Die lässt solche Artikel u.a. für den Wirtschaftsteil von Philippe Schwander schreiben, der ist nicht nur Master of Wine und Weinhändler mit kolossalem Insider-Wissen, er kann auch schreiben und er gilt in der Branche als absolut integer.    

Unter welchem Zeithorizont sollte man das Weininvestment betreiben?

Das Weininvestment ist grundsätzlich eine langfristige Angelegenheit, da grosse Renditen nur mit grossen Weinen erzielt werden können. Und grosse Weine können nur solche sein, die sehr langsam und lange reifen.Natürlich kann man auch kurz- oder mittelfristig spekulieren. Das sollte man aber wirklich den Profis überlassen; denn das funktioniert nur, wenn man eine sichere Möglichkeit hat die Weine auch zu Marktpreisen zu verkaufen. Also jetzt beispielsweise 1989 Mouton (mit dem Mauerfall-Label von Baselitz) kaufen und auf 2009 und 2014 (20 bzw. 25 Jahre Mauerfall) spekulieren. Da dies nebenbei auch noch ein sehr guter Wein ist, kann das funktionieren.Es gibt nur einige wenige Weine wie Pétrus oder Le Pin, deren Preise sich innerhalb kurzer Zeit (zwei, drei Jahre) vom Primeur-Preis aus gerechnet verdoppeln. Die sind aber schwer zu bekommen. Aber da funktioniert das System: kaufe zwei Kisten, warte bis sich der Preis verdoppelt hat und verkaufe eine davon. In der Regel brauchen grosse Weine aus Bordeaux aber einen Zeithorizont von mindestens acht bis zehn Jahren, besser aber 15 Jahre und mehr um eine Rendite zu bringen, die für Anleger interessant sein könnte. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, muss man aber z.B. Magnums oder Doppelmagnums der Premiers plus Pétrus aus einem sehr guten Jahrgang kaufen und 20, 30 Jahre warten. Wer das beispielsweise 1983 mit dem Jahrgang 1982 getan hat, besitzt heute ein kleines Vermögen. Sein Einsatz hat sich seither je nach Château ca. um das 20 bis 60-fache gesteigert. 1983 kosteten die Premiers und Pétrus als 0,75 l Flasche so um
die 100 Mark bei Hawesko. Heute werden diese Weine nicht mehr unter 1000 Euro gehandelt und der Pétrus dürfte bei 3000 Euro und mehr liegen.   
 
        

 Zu dem Thema „Rendite des Weininvestments“ findet man immer wieder widersprüchliche Meinungen. Die einen verweisen auf die enormen Steigerungen von einzelnen Weinen, die anderen führen Renditen an, die selbst in Niedrigzinsphasen von jedem Geldmarktfonds geschlagen werden. Da die Rendite des Weininvestments von mehreren unterschiedlichen Einflussfaktoren abhängig ist, kann die Frage- meiner Meinung nach- nicht pauschal beantwortet werden. Vielmehr ist es ein sehr komplexes Thema, was an dieser Stelle  kurz skizziert werden soll.

Zunächst einmal sollte man sich als Anleger nicht von einzelnen Highflyern mit astronomischen Wertentwicklungen blenden lassen. Diese bilden die Ausnahme, werden aber natürlich gerne als Aushängeschilder benutzt. Es gibt mehrere umfassende Studien (z.B. Krasker 1979, Weil 1993,  Burton und Jacobsen 2001) , die die Renditeentwicklung von hochwertigen Weinen (und nur um diese geht es hier) untersuchen und ins Verhältnis zu den Renditen setzen, die man im selben Zeitraum mit einer Anlage im Aktien- und/oder Anleihenbereich hätte erzielen können. Die Autoren kommen dabei auf unterschiedliche Ergebnisse. Krasker sieht das Weininvestment nach Abzug aller Kosten sogar als unrentabel an, Weil sowie Burton und Jacobsen errechnen  eine jährliche Rendite von ca. 8 Prozent, was jedoch im  betrachteten Zeitraum unter der Rendite von den amerikanischen Aktienindizes lag. Es gibt aber auch andere Studien, die im jeweils gewählten Zeitraum  zu einer Outperformance des Weininvestments gegenüber den Vergleichsmärkten gelangen.  Die unterschiedlichen Ergebnisse von den Studien  in der Vergangenheit  beruhen auf diversen Einflussfaktoren. Im Einzelnen sind dies:

– Betrachtungszeitraum und dessen Länge

– Anzahl und Qualität der Weine sowie die Kriterien, nach denen diese ausgewählt wurden (kein einheitlicher „Weinbasket“)

– die kalkulierten Lager- und Versicherungskosten

– die kalkulierten An- und Verkaufskosten

Diese einzelnen Punkte verdeutlichen, wie schwierig es in der Vergangenheit war, die Renditen des Weininvestments zu ermitteln bzw. die Studien miteinander zu vergleichen.  Eine der neuesten und umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema stellt der Autor Mahesh Kumar in seinem sehr empfehlenswerten Buch“Wine Investment for Portfolio Diversification“ vor. Er bildete für den Zeitraum von 1983 -2003 einen „Fine Wine Index“ und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Index eine bessere Rendite (12,3% pro Jahr) als der Dow Jones und der Rentenmarkt erzielte. Gleichzeitig hebt er hervor, dass die höhere Rendite nicht gleichzeitig ein höheres Risiko bedeutet, was für das ausgesprochen gute Chance/ Risiko Verhältnis des Weininvestments spricht. Zudem weist der Markt für hochwertigen Wein eine geringe Korrelation zu den anderen Märkten auf.  

Durch die zunehmende Strukturierung und Professionalisierung (insbesondere ist hier die Weinbörse www.liv-ex.com mit den entsprechenden Indizes anzuführen) des Marktes für das Weininvestment, ist es meiner Meinung nach nun bedeutend besser möglich, entsprechende Studien auf soliden Daten aufzubauen, auch wenn es z.B. bei den Ein- und Verkaufskosten immer noch zu unterschiedlichen Ansätzen kommen kann. Zudem hängt das Renditepotential erheblich von den ausgewählten Weinen und den entsprechenden Auswahlkriterien ab.

All diese Ausführungen zeigen jedoch, dass man eigentlich nur einen groben Renditekorridor (denkbar 7,5- 12 Prozent pro Jahr)  für das Weininvestment ansetzen sollte. Gleichzeitig sollte die absolute Rendite aber auch nicht das einzige Beurteilungskriterium sein, sondern das Augenmerk zusätzlich auf das positive Chance/ Risiko- Verhältnis und die geringe Korrelation zu anderen Märkten gerichtet werden. Dies ermöglicht es letztendlich, das professionelle Weininvestment sinnvoll in das eigene Portfolio einzubauen. 

Persönlicher Nachsatz: Sollte jemand ernsthaftes Interesse daran haben, eine Studie zu diesem Thema zu erstellen, würde ich jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Dabei sind sicherlich verschiedene thematische Ansätze denkbar.

 

Je länger ich mich nun mit dem Thema Weininvestment beschäftige, umso mehr wundere ich mich über die „Weininvestmentszene“ in Deutschland. Schaut man einmal  nach England, so sind hier- sicherlich auch historisch bedingt- sehr professionelle Strukturen vorzufinden, an deren Spitze meines Erachtens die Weinbörse „liv-ex.com“ steht. (Wobei ich in dieser Hinsicht sicherlich vorbelastet bin) Zudem gibt es einige wirklich interessante Studien und Bücher über den Bereich „Weininvestment“. In Deutschland finde ich nichts Vergleichbares. Sicherlich ist der Markt für hochwertigen Wein in Deutschland zu wenig entwickelt, so daß sich definitiv keine Weinbörse lohnen würde. Aber auch sonst finde ich diesen Bereich in Deutschland sehr stiefmütterlich behandelt.  Bei den diversen Weinhändlern sehe ich im großen und ganzen auch wenig, was speziell auf diese Zielgruppe abzielt. Das meiste beschränkt sich auf die Präsentation der en primeur Kampagnen des jeweiligen Jahrgangs. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber es würde mich sehr interessieren, wie andere darüber denken………

Ausblick auf 2007

Juli 17, 2007

Derzeit spricht einiges dafür, dass der Jahrgang 2007 von den Witterungsverhältnissen mindestens ähnlich problematisch wie der 2006er Jahrgang wird. Eine interessante Kurzeinschätzung sowie einen Ausblick findet man heute auf http://bordeaux.blogg.de

Diskussionsstoff

Juli 16, 2007

Vor einigen Wochen war ich zum Essen bei Bekannten eingeladen. Es war eine lustige Runde mit sehr guten Essen und noch besseren Wein. Im Laufe des Abends wurde dann auch über Wein „philosophiert“ und ich bekannte mich offen zu meinem Hobby Weininvestment. Dem Gastgeber gab ich damit eine willkommene Vorlage und ich mußte mir anhören, dass u.a. so Leute wie ich Schuld daran wären, dass wir heute Abend auf die ganz edlen Tropfen verzichten müßten, da die Preise durch Spekulanten in die Höhe getrieben und einfach nicht mehr zu bezahlen wären. Diese Diskussion kann man regelmäßig auch in einschlägigen Foren verfolgen und daher ist es vielleicht nützlich, wenn ich als  absoluter „Minispekulant“ mal versuche, meine persönliche Meinung zu erläutern:

Zunächst einmal kann ich viele Weinfreunde grundsätzlich verstehen, die argumentieren, dass  die Spekulanten und Investoren die Preise für die blue-chips der Weinwelt in unerschwingliche Höhen treiben und Wein letztendlich doch ein Genussmittel darstellt. Allerdings ist dies in meinen Augen ein zu pauschales Urteil.

Persönlich würde ich auch gerne eine Nobelautomarke fahren und eine Nobeluhrenmarke tragen. Ich kann es mir aber leider nicht leisten und muss auf mich auf dem Markt nach Alternativen umschauen, die zweifelsohne auch vorhanden sind. Und genau diese Konstellation kann man auch auf den Weinmarkt übertragen. Hochwertiger Wein ist heutzutage meiner Meinung nach dreierlei: ein Luxusgenussmittel sowie ein Prestige- und Renditeobjekt. Man kann diese drei Punkte nicht mehr isoliert betrachten, sondern muss sie in diesem Kontext sehen, da dies die maßgebliche Preisbildungsfaktoren sind.  Selbstverständlich wird der Weinmarkt immer noch von Angebot und Nachfrage geprägt.  Aber die Käufer sehen Wein eben nicht nur als reines Genussmittel an, sondern oftmals auch als Statussymbol. Selbst Leute, die sich nicht für Wein interessieren, assozieren mit z.B. mit dem Begriff „Mouton Rothschild“ einen teuren Wein. Und für die potentiell gut betuchten Käufer ist der Preis des Weines völlig uninteressant (weil unerheblich), sie wollen ihn nur besitzen und/oder in Gesellschaft ausschenken lassen. Und hier kommt ein Faktor ins Spiel, der den Spekulanten von diesen Käufern unterscheidet, denn für den Spekulanten ist der Preis durchaus von großer Relevanz. Letzere kaufen eben nicht auf Teufel komm raus, sondern nach eingehender Analyse und auf einem für sie akzeptablen Preisniveau.