Der im Vorfeld mit Spannung erwartete In-Bottle-Report von Robert Parker ist nun seit einigen Tagen veröffentlicht. Sicherlich war es für viele Weinfreunde überraschend, dass lediglich zwei Weine die magischen 100 Punkte erzielt haben. Ursprünglich wurde der 2005´er Jahrgang als absoluter Jahrhundertjahrgang gefeiert- und nun dies ? Man darf gespannt darauf sein, wie die professionellen Handelsteilnehmer mit dieser Situation umgehen und ob die Notierungen für die 2005´er Weine als erste Reaktion an der Liv-Ex unter Druck geraten. Dies wäre in meinen Augen wahrlich kein Wunder, da die Preise im Vorfeld bereits zum Teil unrealistische Zuwächse verzeichnen konnten und die Situation nun zu Gewinnmitnahmen verleitet.  Gleichzeitig glaube ich, dass viele Investoren und Weinfreunde trotzdem von dem langfristigen Potential der Weine überzeugt sind und auf niedrigeren Niveau wieder als Käufer auftreten. Speziell Weinfonds könnten diese Strategie (zunächst Gewinnmitnahmen um dann später wieder als Käufer aktiv zu werden) verfolgen. Erste Tendenzen wird man frühestens ab Dienstag sehen können, da am Montag Bank Holiday in Großbritannien ist.

 

Parker Bordeaux 2005

Mai 2, 2008

Robert Parker hat bei seinem In-Bottle-Report für eine kleine Überraschung gesorgt. Nur zwei Weine des 2005´er Jahrgangs erhalten die Maximalpunktzahl von 100 Punkten. Ausone und Eglise Clinet kommt diese Ehre zuteil. Weitere Infos in Kürze.

Ähnlich wie die Finanz- und Devisenmärkte der Veröffentlichung von wichtigen Arbeitsmarktdaten oder Zinsentscheidungen entgegenfiebern, wartet der Weinmarkt mit Hochspannung auf die Bewertungen von „Kritikerpapst“ Robert Parker. Mit der Veröffentlichung wird eigentlich stündlich gerechnet. Neben seiner Beurteilung für den 2007´er Jahrgang steht zweifelsohne der In-Bottle-Report  des jetzt schon legendären 2005´er Jahrgangs im Vordergrund.  Einige Weine hatten in letzter Zeit bereits eine schwindelerregende Performance aufzuweisen und es bleibt abzuwarten, was durch diese Preisschübe bereits an Spekulation vorweggenommen wurde. Gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage, wie der Markt bei einzelnen Weinen auf stagnierende oder schlechtere Ratings reagiert.

Den Monat Februar beendete der Liv-Ex 1oo bei hohen Umsätzen mit einem Plus von 2.6 Prozent zum Vormonat und somit mit 246.8 Punkten, womit der Index nur noch einen Punkt von seinem Allzeithoch entfernt ist.

Ein Großteil der Umsätze spielte sich dabei in den Bordeaux- Jahrgängen 1996- 2000 ab. Das vorhandene Angebot in den Premier Crus stieß dabei auf großes Interesse sowohl auf  der Investoren- als auch auf der Händlerseite. Die Monatsgewinner (u.a. Latour 2005, Las Cases 2005, Haut- Brion)  kamen hingegen insbesondere aus der Riege des 2005´er Jahrgangs, der durch das Re-Rating des Wine-Spectator im Mittelpunkt stand.  Unter den Monatsverlierern (u.a. Ausone 1998, Lafite 1990) waren insbesondere solche Weine zu finden, die zuvor große Gewinne zu verzeichnen hatten, welche nun von den Anlegern mitgenommen wurden.

Eine interessante Analyse rundet den Monatsbericht der Liv-Ex ab. In dieser wird ein Basket aus 10 Weinen des 2005- Jahrganges mit den Investmentjahrgängen 1996, 2000 und 2003 verglichen. Dabei wird offensichtlich, dass der 2005´er Jahrgang nach der Einführung auf der Handelsplattform zunächst wenig Beachtung bei den Anlegern und Händlern fand. Diese konzentrierten sich stattdessen auf die im Vergleich günstigeren Weine der Jahrgänge 1996 und 2000. Die letzten 6 Monate wurden dagegen von einer Aufholjagd des  2005´er Jahrgang bestimmt, der alleine in dieser Zeit ein Plus von 12% verzeichnen konnte, nachdem er in der Zeit zuvor preislich eher „rumdümpelte“.

Somit dürfte bereits einiges an Potential des mit Spannung erwarteten Parker Re-Ratings erschöpft bzw. vorweggenommen sein- zumindest für die Spitzengewächse. Spielraum kann es im Soge einer hohen Punktzahl noch für Weine aus der zweiten oder dritten Reihe geben. Zudem könnte durch den starken Preismove des 2005´er Jahrganges der 2003´er an Attraktivität gewinnen, da er als vergleichsweise günstig anzusehen ist.

Eines garantiert der Weinmarkt auf jeden Fall: keine Langeweile !

Derzeit verschnauft der Markt auf hohem Niveau, was sicherlich  mehr als überfällig war. Dabei hält sich die Korrektur des Liv- Ex 100 durchaus in Grenzen. Das Handelsvolumen an der Weinbörse war in den letzten Monaten hoch, was als positives Signal für eine Stabilisierung anzusehen ist. Denn das Angebot an Weinen traf auf etwas niedrigeren Niveau auf entsprechende Nachfrage. Kenner der Szene beobachteten dabei, dass diese Nachfrage nicht in erster Linie von neuen Investoren, sondern von „trinkwilligen“ Konsumenten geprägt war. Dies kann als gutes Zeichen bewertet werden, da diese Weine in absehbarer Zeit effektiv getrunken werden und das Angebot somit weiter verknappt wird.  Schaut man sich die zunehmende Zahl an kaufkräftigen Kunden und deren Vorlieben an (interessant hierzu „World Wealth Report“ von Merrill Lynch), ist ein Sell-Off am Weinmarkt grundsätzlich nicht zu erwarten. Aus informierten Kreisen ist zudem zu hören, dass weitere Weinfonds in Planung sind, da sich zunehmend auch institutionelle Kunden für das Weininvestment im Rahmen der Asset Allocation interessieren. Dieses Volumen wird  nicht unerheblich sein und eine Schwäche des Marktes vermutlich als Einstiegsgelegenheit angesehen.

Das kommende Jahr wird sicherlich spannend. Zum einen die  schwierige en primeur Kampagne für den 2007´er Bordeaux- Jahrgang, zum anderen das Re-Rating und die effektive Auslieferung des sensationellen 2005´er Jahrganges.

Im Rahmen der Roadshow der „Union des Grandes Crus 2005“ zeichnet sich ab, dass man sich einige Weine  (abgesehen der Premier Crus, die an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen und sowieso unerschwinglich sind)  bereits vormerken sollte: Leoville Poyferré, Leoville Barton und Pichon Baron. Beychevelle und Duhart Milon erfreuen sich zunehmend der Nachfrage aus China. Im Vorfeld der Neuverkostung durch Parker im 1. Quartal 2008 gibt es bei diesen Weinen sicherlich einiges an Spekulationspotential !