Der internationale Markt für hochwertige Weine ist extrem vom Prinzip Angebot und Nachfrage geprägt. Das Angebot ist im (Bordeaux) Premium-Bereich nicht weiter ausbaubar und somit klar begrenzt. Die Nachfrageseite befindet sich in den letzten Jahren dagegen zunehmend im Umbruch und ein Ende ist nicht abzusehen. Neben den etablierten Weinfonds gibt es zunehmend Neugründungen in diesem speziellen Bereich. Zudem bleibt die Nachfrage aus Russland und China auf konstant hohen Niveau. Diese erwerben die Weine größtenteils zum effektiven Konusm und nicht als Investmentobjekt, was einer potentiellen Spekulationsblase entgegenwirkt. Eine immer wichtigere Rolle im internationen Weinmarkt spielt Hongkong. Im August wird dort die erste International Wine Expo stattfinden und professionelle Lagerungsmöglichkeiten/ Lagerhäuser werden entwickelt bzw. realisiert. Im Februar wurden die Zölle und Steuern auf Wein erlassen, was dazu führte, dass sich internationale Weinhändler einer extrem großen Nachfrage erfreuen durften. Fakt ist, dass die Nachfrageseite in den letzten Jahren auf ein bedeutend größeres, internationales Fundament gestellt wurde und dieser Prozess noch nicht beendet ist. Diese Entwicklung spricht klar gegen fallende Preise im Bereich des „Fine Wine“.

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Der im Vorfeld mit Spannung erwartete In-Bottle-Report von Robert Parker ist nun seit einigen Tagen veröffentlicht. Sicherlich war es für viele Weinfreunde überraschend, dass lediglich zwei Weine die magischen 100 Punkte erzielt haben. Ursprünglich wurde der 2005´er Jahrgang als absoluter Jahrhundertjahrgang gefeiert- und nun dies ? Man darf gespannt darauf sein, wie die professionellen Handelsteilnehmer mit dieser Situation umgehen und ob die Notierungen für die 2005´er Weine als erste Reaktion an der Liv-Ex unter Druck geraten. Dies wäre in meinen Augen wahrlich kein Wunder, da die Preise im Vorfeld bereits zum Teil unrealistische Zuwächse verzeichnen konnten und die Situation nun zu Gewinnmitnahmen verleitet.  Gleichzeitig glaube ich, dass viele Investoren und Weinfreunde trotzdem von dem langfristigen Potential der Weine überzeugt sind und auf niedrigeren Niveau wieder als Käufer auftreten. Speziell Weinfonds könnten diese Strategie (zunächst Gewinnmitnahmen um dann später wieder als Käufer aktiv zu werden) verfolgen. Erste Tendenzen wird man frühestens ab Dienstag sehen können, da am Montag Bank Holiday in Großbritannien ist.

 

Während international neue Weinfonds aufgelegt werden, gibt es in Deutschland bald keinen erstzunehmenden Fondsanbieter in diesem Segment mehr. Sowohl die Blue Capital GmbH als auch ein in diesem Bereich tätiger Weinhändler legen keine neuen Fonds mehr auf. Über die Gründe kann gemutmaßt werden, jedoch würde das Angebot sicherlich weitergeführt, wenn eine entsprechend große Nachfrage vorhanden wäre.  Ohne in diesem Kontext auf die Konzeption der bislang in Deutschland aufgelegten Fonds einzugehen, stellt sich die Frage, warum einzelne Weinfonds im Ausland zum Teil ein Volumen von mehr als 50 Mio. Dollar verwalten und das Angebot ständig erweitert wird, während in Deutschland die Entwicklung in diesem Bereich  rückläufig ist.

Persönlich habe ich den Eindruck, dass das Weininvestment in Deutschland zwischen zwei Stühlen sitzt. Auf der einen Seite die Finanzszene, die eigentlich vor den nachweisbaren Vorzügen der Anlageklasse Wein  die Augen verschließt. Auf der anderen Seite die Weinszene, in der das Weininvestment nicht gerne thematisiert und oftmals am liebsten der Mantel des Schweigens gelegt wird.  Die Berichterstattung in den Medien ist rudimentär und der Inhalt eigentlich immer gleich. Je nach redaktioneller Ausrichtung  entweder sensationelle Wertsteigerungen oder böse Spekulanten, die die Weinpreise in unerschwingliche Höhen treiben. Beide „Thesen“ werden dem Thema in keiner Weise gerecht, da das Weininvestment in dieser Form nicht pauschalisiert werden sollte. International wird hochwertiger Wein längst als eigenständige Anlageklasse angesehen, nur im deutschsprachigen Raum ignoriert man diese Entwicklung hartnäckig.

Für Banken sind Weinfonds derzeit kein großes Thema, da das Volumen in Deutschland  zu gering ist und damit der Kosten- Nutzen Aufwand für die Institute in keinem Verhältnis steht. Zudem ist solch ein Angebot- trotz der bislang aufgelegten Angebote- immer noch Neuland, wo zunächst Berührungsängste bestehen, zumal Weinfonds mit einigem Aufwand (Beratung, Einkauf, Lagerung, Versicherung, Verkauf)  verbunden sind. Aber gerade die Banken könnten mit einem entsprechenden Produkt dafür sorgen, dass das Weininvestment stärker in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Die Entwicklung im internationalen Weinmarkt hat Möglichkeiten geschaffen, die in keiner Weise mit denen vor einigen Jahren zu vergleichen sind- auch in Kostenhinsicht.

Um den Markt für mehr Anleger zu öffnen, sind innovative Lösungen gefragt. Absolute Priorität müssen dabei der Seriosität, Sicherheit, Handelbarkeit und Transparenz eingeräumt werden. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen. Daneben muss natürlich auch die Anlageklasse Wein ihre Vorzüge unter Beweis stellen.

Dabei muss es sich meiner Meinung nach auch nicht immer um einen reinen Weinfonds handeln. Auch andere Konstrukte wie Zertifikate sind durchaus denkbar und für Privatanleger vielleicht sogar besser geeignet.

Nachfrage und kein Ende ?

September 4, 2007

Schaut man sich die derzeitige Berichterstattung über den Markt für hochwertigen Wein in der internationalen Presse an, so kann man davon ausgehen, dass die Preise keinen großen Rücksetzer zu befürchten haben. Die Nachfrage von Hedgefonds Managern aus London und New York kennt anscheindend immer noch keine Grenzen. Wurden Wein-keller früher innerhalb einiger Jahre Flasche für Flasche aufgebaut, möchten die derzeitigen Käufer ihren Weinkeller von heute auf morgen möglichst hochwertig bestückt haben. Geld spielt dabei keine Rolle. Eine ähnliche Situation findet man in Korea, Japan und insbesondere China vor, wo hochwertiger Wein mittlerweile das Status-Symbol schlechthin ist. Seit Juli soll in London zudem ein neuer Weinfonds aufgelegt worden sein, der die Nachfrage zusätzlich beflügeln dürfte. Über das Volumen habe ich bislang keine genauen Angaben gefunden. Es bleibt sicherlich spannend, diese gesamte Entwicklung genau zu verfolgen……