Der internationale Markt für hochwertige Weine ist extrem vom Prinzip Angebot und Nachfrage geprägt. Das Angebot ist im (Bordeaux) Premium-Bereich nicht weiter ausbaubar und somit klar begrenzt. Die Nachfrageseite befindet sich in den letzten Jahren dagegen zunehmend im Umbruch und ein Ende ist nicht abzusehen. Neben den etablierten Weinfonds gibt es zunehmend Neugründungen in diesem speziellen Bereich. Zudem bleibt die Nachfrage aus Russland und China auf konstant hohen Niveau. Diese erwerben die Weine größtenteils zum effektiven Konusm und nicht als Investmentobjekt, was einer potentiellen Spekulationsblase entgegenwirkt. Eine immer wichtigere Rolle im internationen Weinmarkt spielt Hongkong. Im August wird dort die erste International Wine Expo stattfinden und professionelle Lagerungsmöglichkeiten/ Lagerhäuser werden entwickelt bzw. realisiert. Im Februar wurden die Zölle und Steuern auf Wein erlassen, was dazu führte, dass sich internationale Weinhändler einer extrem großen Nachfrage erfreuen durften. Fakt ist, dass die Nachfrageseite in den letzten Jahren auf ein bedeutend größeres, internationales Fundament gestellt wurde und dieser Prozess noch nicht beendet ist. Diese Entwicklung spricht klar gegen fallende Preise im Bereich des „Fine Wine“.

Der Liv-Ex 100 trotzt weiterhin der Finanzkrise und konnte im März sogar ein neues All-Time-High verzeichnen. Den letzten Monat konnte der Index mit einem beachtlichen Plus von 2.8 Prozent beenden. Einmal mehr ein Beweis, dass der Markt für hochwertige Weine eine ernsthafte Portfoliodiversifikation darstellt. Reger Handel fand – aus unterschiedlichen Motivgründen- in den Jahrgängen 1996 und 2004 statt. Die Premier Crus des Jahrgangs 1996 wurden insbesondere aus Investmentgründen gekauft, im 2004´er Jahrgang sehen die Käufer einen fair gepreisten soliden Wein, der seine Trinkreife relativ früh erreichen könnte. Die Reihe der Monatsgewinnern wird wieder mit Weinen aus dem Jahrgang 2005 angeführt. Unter anderem Mission Haut Brion 2005 (+34.1%), Mouton Rothschild 2005 (+26,4%) und Margaux 2005 (+22.7%).

Eine weitere positive Entwicklung konnte die Liv-Ex im Champagner-Markt verzeichnen, der ebenfalls zunehmend von Anlegern sowie Kunden aus China und Russland entdeckt wird. Diverse Jahrgänge von Dom Perignon, Krug und Louis Roederer Cristal konnten auf Jahressicht ordentliche prozentuale Zuwächse verzeichnen.  Exemplarisch auf Jahressicht (März 07-März 08):  Louis Roederer Cristal 1982 +113.3%, Krug 1985 + 71.1%, Dom Perignon 1982 + 41.6%.  Einen etwas negativen Beigeschmack könnte das Champagner- Investment durch die nun beschlossene Erweiterung des Champagner- Anbaugebietes bekommen, wodurch das Angebot in einigen Jahren zunehmen wird. Wie sich diese Entwicklung auf den Investmentbereich auswirken wird, bleibt jedoch abzuwarten.

 

Die Financial Times Deutschland widmet sich dem Thema „Weininvestment“.  Der Artikel von Heiko Metzger ist recht einseitig und wie der Autor in der Printausgabe zu der These „nicht berauschend, eher verkatert“ kommt und in diesem Zusammenhang   die Entwicklung des Liv-Ex 100 in den letzten Jahren darstellt, bleibt mir rätselhaft.

Während international neue Weinfonds aufgelegt werden, gibt es in Deutschland bald keinen erstzunehmenden Fondsanbieter in diesem Segment mehr. Sowohl die Blue Capital GmbH als auch ein in diesem Bereich tätiger Weinhändler legen keine neuen Fonds mehr auf. Über die Gründe kann gemutmaßt werden, jedoch würde das Angebot sicherlich weitergeführt, wenn eine entsprechend große Nachfrage vorhanden wäre.  Ohne in diesem Kontext auf die Konzeption der bislang in Deutschland aufgelegten Fonds einzugehen, stellt sich die Frage, warum einzelne Weinfonds im Ausland zum Teil ein Volumen von mehr als 50 Mio. Dollar verwalten und das Angebot ständig erweitert wird, während in Deutschland die Entwicklung in diesem Bereich  rückläufig ist.

Persönlich habe ich den Eindruck, dass das Weininvestment in Deutschland zwischen zwei Stühlen sitzt. Auf der einen Seite die Finanzszene, die eigentlich vor den nachweisbaren Vorzügen der Anlageklasse Wein  die Augen verschließt. Auf der anderen Seite die Weinszene, in der das Weininvestment nicht gerne thematisiert und oftmals am liebsten der Mantel des Schweigens gelegt wird.  Die Berichterstattung in den Medien ist rudimentär und der Inhalt eigentlich immer gleich. Je nach redaktioneller Ausrichtung  entweder sensationelle Wertsteigerungen oder böse Spekulanten, die die Weinpreise in unerschwingliche Höhen treiben. Beide „Thesen“ werden dem Thema in keiner Weise gerecht, da das Weininvestment in dieser Form nicht pauschalisiert werden sollte. International wird hochwertiger Wein längst als eigenständige Anlageklasse angesehen, nur im deutschsprachigen Raum ignoriert man diese Entwicklung hartnäckig.

Für Banken sind Weinfonds derzeit kein großes Thema, da das Volumen in Deutschland  zu gering ist und damit der Kosten- Nutzen Aufwand für die Institute in keinem Verhältnis steht. Zudem ist solch ein Angebot- trotz der bislang aufgelegten Angebote- immer noch Neuland, wo zunächst Berührungsängste bestehen, zumal Weinfonds mit einigem Aufwand (Beratung, Einkauf, Lagerung, Versicherung, Verkauf)  verbunden sind. Aber gerade die Banken könnten mit einem entsprechenden Produkt dafür sorgen, dass das Weininvestment stärker in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Die Entwicklung im internationalen Weinmarkt hat Möglichkeiten geschaffen, die in keiner Weise mit denen vor einigen Jahren zu vergleichen sind- auch in Kostenhinsicht.

Um den Markt für mehr Anleger zu öffnen, sind innovative Lösungen gefragt. Absolute Priorität müssen dabei der Seriosität, Sicherheit, Handelbarkeit und Transparenz eingeräumt werden. Nur so kann man das Vertrauen der Anleger gewinnen. Daneben muss natürlich auch die Anlageklasse Wein ihre Vorzüge unter Beweis stellen.

Dabei muss es sich meiner Meinung nach auch nicht immer um einen reinen Weinfonds handeln. Auch andere Konstrukte wie Zertifikate sind durchaus denkbar und für Privatanleger vielleicht sogar besser geeignet.

Renditeturbo Wein

Januar 9, 2008

Herr Scheuermann hat mich auf einen sehr interessanten Artikel in der Washington Post aufmerksam gemacht. Hier kann man einmal mehr lesen, wie rentabel sich die „Anlageklasse Wein“ entwickeln kann  und wie sich der Markt durch das Internet zunehmend internationalisiert und organisiert. Wobei das Beispiel eines Anwalts aus Kalifornien, der im November 10 Flaschen eines seltenen Burgunder für knapp über 3500$ gekauft und zwei Wochen später für 10000$ verkauft hat, schon Assoziationen zur New-Economy Blase hervorrufen können und daher im Bericht auch auf die Risiken des Weininvestments hingewiesen wird.

Tücken des Weininvestments

Oktober 18, 2007

In der internationalen Berichterstattung über das Weininvestment muss man leider immer wieder lesen, wie Anleger um ihr Geld geprellt werden. So ist es leider kein Einzelfall, dass Weinhandelshäuser (insbesondere in Großbritannien) Konkurs anmelden mußten und damit oftmals auch Kunden ihre georderten und bereits bezahlten en primeur Weine nicht erhalten haben. Ärger ist in solchen Fällen auf jeden Fall vorprogrammiert, da es immer auf den Einzelfall ankommt, ob ein Anleger sein Geld (oder einen Teil davon) zurückerhält oder nicht.

Einen anderen dreisten Fall kann man heute im Decanter nachlesen. Hier wurden Anleger übel reingelegt, indem ihnen von der Firma „Bordeaux Advisory“ minderwertiger Wein als Investmentwein verkauft wurde.

Diese Fälle zeigen auf jeden Fall wie wichtig es ist, sich als Anleger im Vorfeld des Weininvestments sorfältigst zu informieren und sich Händler auszusuchen, die en primeur Käufe entsprechend absichern und Erfahrung im Bereich des Weininvestments aufweisen können.

Auf meinem Rückweg aus dem wunderschönen Stubaital habe ich die Möglichkeit genutzt, mich mit Michael Unger von Ungerweine zu treffen. Im Vorfeld hatte ich bei dem Unternehmen angefragt und um einen Gesprächstermin gebeten. Obwohl Herr Unger terminlich sehr eingespannt war, hat es trotzdem geklappt. Dabei möchte ich einmal die sehr positive Art hervorheben, wie meine Anfrage bearbeitet wurde. Angefangen von der schnellen Antwort über die sehr hilfsbereite und freundliche Assistentin bis zum interessanten Gespräch selbst- der Begriff Dienstleistung scheint hier mit Leben ausgefüllt zu werden.

Gesprächsnotizen:

Die Nachfrage zum „Weininvestment“ ist aus Sicht von Michael Unger in Deutschland bislang wenig ausgeprägt. Dabei sieht er das Thema persönlich auch relativ kritisch und es gibt im Unternehmen (welches er gemeinsam mit seinem Bruder führt) derzeit keine Bestrebungen, das Weininvestment gezielt aufzubauen. Grundsätzlich gibt es seiner Meinung dabei  zwei Arten, die es zu unterscheiden gilt. Auf der einen Seite die Investition über Weinfonds und zum anderen das private Investment. Insbesondere bei den großen Weinfonds sieht er dabei mehrere Gefahren, die zu beachten wären. So sei es für die hohen Beträge, die einige Fonds mittlerweile eingesammelt haben, schwierig, entsprechende investmenttaugliche Weine zu erwerben. Beim späteren Verkauf  sieht er das Problem (wie auch schon mehrfach hier im Blog geäußert), größere Positionen zu veräußern, ohne dabei Druck auf die Preise auszuüben. Zudem wird durch die Fonds zunächst zwar das Angebot aus dem Markt genommen, ihm aber zu einem späteren Zeitpunkt komplett wieder zugeführt, da die Flaschen nicht konsumiert werden. Dies könnte dann zu einem Überangebot und fallenden Preisen führen. Letztlich sieht Michael Unger auch die Gebührenstruktur der Fonds skeptisch, da die Nebenkosten für das Management sowie die jährlichen Nebenkosten nicht unerheblich sind.

Dem privaten Weininvestment steht er jedoch positiver gegenüber, da er hier durchaus Chancen sieht, durch entsprechende Informationen und Fachkenntnis, Weine mit entsprechenden Renditepotential gezielt ausfindig zu machen.  Die Zeiten der exorbitanten Preissteigerungen sind für ihn jedoch Geschichte, da seiner Meinung nach die Produzenten (insbesondere die der Premier Crus) die Preissteigerungen zu ihren Gunsten nutzen, indem sie ihre en primeur-Spanne ausreizen, die Menge dabei zunächst begrenzen und dann die späteren Tranchen selbst gewinnbringend auf den Markt bringen. Die bestehende Vertriebsstruktur in Bordeaux hat für Michael Unger sowohl Vor- als auch Nachteile. Über kurz oder lang sieht er Bestrebungen der großen und einflussreichen Châteaux, die bestehende Vertriebsschiene zu ändern. Erste Anzeichen dafür wären für den Fachmann bereits jetzt  zu erkennen. 

Bei dem en primeur Geschäft ist jedes Jahr festzustellen, dass die Kunden sich während dieser Phase extrem auf die neuen Weine focussieren und dadurch ältere Weine, die qualitativ mindestens genauso hochwertig sind,  vorübergehend in den Hintergrund gedrängt werden.

Den derzeitigen Nachfrageboom sieht Unger differenziert. So könnte Russland zwar ein potenter, aber auch sehr kleiner Markt sein. Die Nachfrage aus Asien nach einzelnen „in“-Weinen (z.B. Lafite) könnte zudem wechselhaft sein und müßte sich daher  erst als nachhaltig erweisen. Einer der größten Märkte für das Weininvestment- Nordamerika- leidet hingegen unter dem niedrigen Dollar. Zudem werden seines Erachtens nach die Auswirkungen der Subprime-Krise auch den Weinmarkt treffen. Als Beispiel in der Vergangenheit führt er die Asienkrise 1997 an, die die Weinpreise ordentlich unter Druck gebracht hat. Einige Weine haben erst in der letzten Boomphase 2006/2007 die Preise von 1997 erreicht.  Derzeit verzeichnet Unger für den Bereich der sehr hochwertigen Weine (vorerst?) eine Deckelung der Preise. 

Weltweit geht Michael Unger davon aus, dass es mehr Fälschungen von hochwertigen Weinflaschen gibt, als man allgemein annimmt, speziell im Bereich der Großformate. Die enorme Wersteigerung von einigen Weinen würde Betrüger automatisch anziehen. Den eigenen Keller würde Unger aufgrund sorgfältiger Prüfung zu 99,9 Prozent als fälschungsfrei bezeichnen.

Den Weinkritiker Robert Parker sieht er als absolut führend in der Szene an, der eine enorme Wirkung auf den Endkunden ausübt. Gleichzeitig sieht er in Europa jedoch auch Tendenzen, dass die Konsumenten geschmackskritischer werden und die Stilistik der überextrahierten Weine zunehmend ablehnen.

Jedem, der sich mit dem Thema Weininvestment etwas intensiver beschäftigt, wird früher oder später der Name www.liv-ex.com begegnen. An dieser Stelle möchte ich zunächst einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten geben, die die Weinbörse „Liv-Ex“  liefert. In Kürze werden weitere ausführliche Informationen folgen.

Die London International Vintage Exchange (=Liv-Ex) ist eine internetbasierte Handelsplattform für hochwertigen Wein und wurde 1999 von den ehemaligen Aktienhändlern James Miles und Justin Gibbs gegründet. Die Handelsplattform steht professionellen  Weinhandelshäusern und Weinfonds gegen einen jährlichen Beitrag  zur Verfügung. Der Handel sowie die spätere Lieferung/Erfüllung erfolgt dabei nach klar vorgegebenen Regeln, deren Einhaltung von einem gewählten Komitee überwacht wird.  Das Kontrahentenrisiko, was letztendlich bei jedem Kauf bzw. Verkauf immanent besteht, wird durch entsprechende Kredit- bzw. Sicherheitsanforderungen weitgehend ausgeschlossen. Pro Trade bezahlen beide Parteien eine Provision, die maximal 3 Prozentpunkte (im Auktionsmodus) beträgt. Die Handelsoberfläche zeigt viele nützliche Informationen an, unter anderen natürlich das Orderbuch (im fortlaufenden Handel)  mit den besten Kauf-/Verkaufsangeboten.

 Für den privaten Weinsammler ist ein aktiver Handel nicht vorgesehen, was jedoch in Anbetracht der angestrebten Erfüllungssicherheit auch als sinnvoll erscheinen kann. Allerdings bieten sich dem ambitionierten Weinfreund umfangreiche Informations-angebote, die er je nach Wunsch und Portemonnaie nutzen kann. Wer eine nützliche Preisfindungsfunktion sucht, kann diese auf der Seite der Liv-Ex kostenlos nutzen.Der Interessent kann sich darüberhinaus zwischen den Packages „Silver“, „Gold“ und „Platinium“ entscheiden. Die jährlichen Beiträge liegen zwischen 49.95 GBP und 299.99 GBP.  Das Informationsangebot läßt das Börsenherz höher schlagen: Historische Preise, Chartanalyse, Watchlisten, etc.. Zudem erscheinen monatlich ein oder mehrere Market Newsletter (abhängig vom gewählten Package), die das aktuelle Tradinggeschehen zusammenfassen und interessante News und Analysen beinhalten.

Nicht zu vergessen ist der eingeführte Liv-Ex 100 Index, der als  „die“ Benchmark für die Anlageklasse Wein angesehen wird. Er besteht zum großen Teil aus Bordeaux- Weinen und wird nach fest vorgegebenen Kriterien zusammengesetzt und berechnet. Mittlerweile findet er regelmäßig Erwähnung in einschlägigen Artikeln über das Thema „Weininvestment“ und konnte insbesondere in den letzen zwei Jahren eine beeindruckende Performance aufweisen.

 Weitere News über die www.liv.ex.com gibt es demnächst in diesem Blog.